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Wiesen-Schaumkraut
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Das Wiesen-Schaumkraut (Cardamine pratensis) ist eine Pflanzenart aus der Gattung der SchaumkrĂ€uter (Cardamine) innerhalb der Familie der KreuzblĂŒtengewĂ€chse (Brassicaceae). Das Verbreitungsgebiet umfasst weite Gebiete der Nordhalbkugel. Es dominiert mit seinen weiĂ bis zart violetten BlĂŒten ab Ende April bis Mitte Mai hĂ€ufig das Erscheinungsbild nĂ€hrstoffreicher Feuchtwiesen.
Contents
âą Beschreibung
âą Erscheinungsbild
âą Laubblatt
âą BlĂŒtenstand
âą BlĂŒte
âą Frucht und Samen
âą Ăkologie
⹠Synökologie
âą Aurorafalter
âą Vorkommen
âą Systematik
âą Trivialnamen
âą Gebrauch
âą Nahrungsmittel
âą Quellen
âą Literatur
âą Einzelnachweise
âą Weblinks
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Beschreibung
Erscheinungsbild
Das Wiesen-Schaumkraut wĂ€chst als ĂŒberwinternd grĂŒnecite-ref-floraweb-1-0[1], ausdauernde, krautige Pflanze, die Wuchshöhen von meist 15 bis 55 (8 bis 80) Zentimetern erreicht. Sie bildet ein relativ kurzes, mit einem Durchmesser von bis 5 Millimetern zylindrisches, knollig-verdicktes Rhizom als Ăberdauerungsorgan aus. Der aufrechte, unverzweigte StĂ€ngel ist im Querschnitt rund, enthĂ€lt anfangs Mark und wird spĂ€ter hohlcite-ref-schmeil-fitschen93-2-0[2] und ist kahl oder im unteren Bereich spĂ€rlich behaart.cite-ref-foc-3-0[3]cite-ref-fna-4-0[4]
Laubblatt
Die dĂŒnnen LaubblĂ€tter stehen in grundstĂ€ndigen Rosetten zusammen und sind wechselstĂ€ndig am StĂ€ngel verteilt; die Blattadern sind erhaben.cite-ref-fna-4-1[4] Die meist 2 bis 7 (1 bis 10) Zentimeter lang gestielten GrundblĂ€tter weisen eine LĂ€nge von 30 Zentimeter auf, sind einfach oder unpaarig gefiedert und besitzen zwei bis 15 Paare rundlicher FiederblĂ€ttchen. Die Endfieder der GrundblĂ€tter ist 1,5 Zentimeter lang gestielt und bei einem Durchmesser von 0,3 bis 2 Zentimetern kreisförmig bis breit verkehrt-eiförmig mit einer meist gerundeten, selten fast nieren- oder keilförmigen Basis, gewelltem Rand sowie einem gerundeten oberen Ende. Die GrundblĂ€tter besitzen auf jeder Seite ihrer Rhachis zwei bis acht (bis zu 15 oder keine) Seitenfiedern, die höchstens gleich groĂ wie die Endfieder sind; sie sind gestielt oder sitzend, kreisförmig, eiförmig bis breit verkehrt-eiförmig mit gekerbtem oder gewelltem Rand. Es sind meist zwei bis zwölf (bis 18) kahle, kurz gestielte, 2 bis 17 Zentimeter lange, fiederteilige StĂ€ngelblĂ€tter vorhanden. Der gestielte oder sitzende Endabschnitt der StĂ€ngelblĂ€tter ist bei einer LĂ€nge von meist 1 bis 2,5 (bis zu 3,5) Zentimetern und einer Breite von meist 5 bis 8 (bis zu 10) Millimetern linealisch, lĂ€nglich, eiförmig oder lanzettlich. Die StĂ€ngelblĂ€tter besitzen auf jeder Seite ihre Rhachis zwei bis acht (bis zu 15 oder keine) Seitenfiedern, die höchstens gleich groĂ wie die Endfieder sind; sie sind gestielt oder sitzend und herablaufend, in der Form Ă€hnlich wie bei den GrundblĂ€ttern und besitzen meist einen glatten oder selten gezĂ€hnten Rand.cite-ref-foc-3-1[3]cite-ref-fna-4-2[4]
BlĂŒtenstand
Die BlĂŒtezeit des Wiesen-Schaumkrautes erstreckt sich je nach Standort von April bis Juni oder sogar Juli. Die BlĂŒten stehen in einem endstĂ€ndigen, traubigen BlĂŒtenstand zusammen,cite-ref-fna-4-3[4] jedoch entstehen am oberen Teil des StĂ€ngels hĂ€ufig noch weitere kleine, traubige BlĂŒtenstĂ€nde. Bei Regenwetter und Dunkelheit krĂŒmmt sich die Sprossachse und die sich schlieĂenden BlĂŒten nehmen eine nickende Stellung ein.
BlĂŒte
Die zwittrigen BlĂŒten sind vierzĂ€hlig mit der fĂŒr KreuzblĂŒtengewĂ€chse typischen Anordnung der BlĂŒtenorgane. Die vier aufrechten oder ausgebreiteten, grĂŒnen, freien KelchblĂ€tter besitzen bei einer LĂ€nge von meist 3 bis 5 (2,5 bis 6) Millimetern und einer Breite von 1 bis 2 Millimetern eine lĂ€ngliche oder eiförmige Form mit hĂ€utigem Rand und die Basis der zwei seitlichen KelchblĂ€tter ist sackförmig. Die vier freien, genagelten KronblĂ€tter besitzen bei einer LĂ€nge von meist 0,8 bis 1,5 (0,6 bis 1,8) Zentimetern und einer Breite von meist 3 bis 7,5 (bis zu 10) Millimetern eine verkehrt-eiförmige Form und ein gerundetes oder ausgerandetes oberes Ende. Die Farben der KronblĂ€tter reichen von selten weiĂ ĂŒber meist weiĂlich und blass-rosafarben mit dunkleren Adern bis purpurfarben. Von den sechs StaubblĂ€ttern besitzen die mittleren Paare 5 bis 10 Millimeter lange StaubfĂ€den und das seitliche Paar 3 bis 6 Millimeter lange StaubfĂ€den. Die gelben Staubbeutel sind bei einer LĂ€nge von (0,8 bis) meist 1,2 bis 2 Millimetern schmal lĂ€nglich. Die StaubblĂ€tter ungefĂ€hr dreimal so lang wie die KelchblĂ€tter sind. Das einzige Fruchtblatt enthĂ€lt 20 bis 30 Samenanlagen. Der haltbare, meist gedrungene Griffel weist eine LĂ€nge von 1 bis 2,2 (0,5 bis 2,7) Millimetern auf.cite-ref-foc-3-2[3]cite-ref-fna-4-4[4]
Frucht und Samen
Die dĂŒnnen, meist 1,2 bis 2,5 (0,5 bis 3) Zentimeter langen Fruchtstiele befinden sich aufrecht, aufsteigend oder fast spreizend an der Fruchtstandsachse. Die Schoten besitzen bei einer LĂ€nge von 2,5 bis 4,5 (1,6 bis 5,5) Zentimetern eine lineale Form und einem Durchmesser von (1,2 bis) meist 1,5 bis 2,3 Millimeter einen runden Querschnitt sowie kahle Klappen. Die hellbraunen Samen sind bei einer LĂ€nge von meist 1,2 bis 1,8 (bis zu 2) Millimetern und einem Durchmesser von 1 bis 1,4 Millimetern lĂ€nglich.cite-ref-foc-3-3[3]cite-ref-fna-4-5[4] Die FrĂŒchte reifen zwischen Juni und August.cite-ref-fna-4-6[4]
Chromosomenzahlen
Die Chromosomenzahlen betragen 2n = 16, 24, 28-34, 38-44, 48, 56, 96, was auf die Chromosomengrundzahl x = 8 schlieĂen lĂ€sst. Es liegt Polyploidie vor, wobei Untersuchungen diploide bis heptaploide Populationen nachweisen.
Ăkologie
Das Wiesen-Schaumkraut ist ein Hemikryptophyt,cite-ref-floraweb-1-1[1] eine ausdauernde Halbrosettenpflanze mit dĂŒnnem, kriechendem Rhizom. Die Blattrosette ist oft wintergrĂŒn.
BlĂŒtenökologisch handelt es sich um âNektar fĂŒhrende Scheibenblumenâ mit einem Ăbergang zu âTrichterblumenâ. Nektar wird reichlich von kleinen Nektarien an der Fruchtknotenbasis abgesondert, er ist nur Bienen und Faltern zugĂ€nglich; Schwebfliegen ernten den Pollen. Die BlĂŒten sind auĂerdem die wichtigste Pollenquelle der Zweizelligen Sandbiene (Andrena lagopus). Wie auch bei anderen KreuzblĂŒtlern sind die Narbenpapillen kutinisiert, sodass auf ihnen nur solche Pollenkörner keimen können, die auch Cutinase, also das Cutin auflösende Enzym produzieren.
Die Schoten springen bei Reife auf und verstreuen die einreihig angeordneten Samen. Das Wiesen-Schaumkraut nutzt damit eine Ausbreitungsstrategie, die man botanisch auch als Ballochorie bezeichnet. Das Wiesen-Schaumkraut gehört dabei zu den Saftdruckstreuern, die in der europĂ€ischen Flora im Gegensatz zu den Austrocknungsstreuern selten sind. Reifen die Schoten, steigt der Zellsaftdruck und die WĂ€nde der Schote schwellen an. Ist ein bestimmter Druck ĂŒberschritten, reiĂen die WĂ€nde der Schote explosionsartig auf. Durch die dabei freigesetzte Energie wird der Samen bis zu 2,4 Meter weit verstreut.cite-ref-l-ttig2003-5-0[5]
Das Wiesen-Schaumkraut ist ein Lichtkeimer/Hellkeimer.
Wenn grundstĂ€ndige BlĂ€tter des Wiesen-Schaumkrautes den feuchten Boden berĂŒhren, bilden sich hĂ€ufig an den Ansatzstellen der FiederblĂ€ttchen wurzelnde Brutknospen. Aus diesen wachsen selbststĂ€ndige Pflanzen heran. Mit dieser vegetativen Selbstausbreitung, die botanisch Blastochorie genannt wird, stellt die Pflanze eine Ausbreitung auch dann sicher, wenn die Standortbedingungen oder nasskaltes Wetter ein Ausreifen der Samenschoten verhindern.cite-ref-l-ttig2003-5-1[5]
Synökologie
Die BlĂŒten des Wiesen-Schaumkrautes sind sehr nektarreich und werden durch zahlreiche Insekten bestĂ€ubt.
Aurorafalter
Gemeinsam mit der Knoblauchsrauke ist das Wiesen-Schaumkraut die bevorzugte Nahrungspflanze der Raupe des Aurorafalters (Anthocharis cardamines). Der Aurorafalter, der das Wiesen-Schaumkraut auch als Nektarpflanze nutzt, legt seine Eier meist an den BlĂŒtenstielen ab. Die Raupen fressen an diesen Pflanzen bis Juli oder August, verpuppen sich zu einer sogenannten GĂŒrtelpuppe und ĂŒberwintern dann.cite-ref-nabu-6-0[6]
Wiesenschaumzikade
Zu den gleichfalls auf dem Wiesen-Schaumkraut lebenden Insekten zĂ€hlt die 5 bis 6 Millimeter lange und variabel gefĂ€rbte Wiesenschaumzikade (Philaenus spumarius). Wiesenschaumzikaden leben auf krautigen Pflanzen, deren Pflanzensaft sie saugen. Sie legen an ihren Wirtspflanzen auch ihre Eier ab, aus denen im April und Mai Larven schlĂŒpfen, die gleichfalls den Pflanzensaft saugen. Durch Einpumpen von LuftblĂ€schen aus der Atemhöhle in eine eiweiĂhaltige FlĂŒssigkeit, welche die Larven aus dem After abscheiden, wird der Schaum erzeugt. Der Schaum schĂŒtzt die darin sitzende Larve vor Feinden, erhĂ€lt aber in erster Linie die fĂŒr die Weiterentwicklung nötige Feuchtigkeit und Temperatur. Diese auffĂ€lligen Schaumnester sind auch an der Kuckuckslichtnelke und an GrĂ€sern zu finden.
Vorkommen
Das Verbreitungsgebiet von Cardamine pratensis reicht von Europa bis zur arktischen Klimazone in Nordasien und Nordamerika. Es kommt in Asien in Japan, Korea, Kasachstan, Mongolei, Russland und den chinesischen Provinzen Heilongjiang, Nei Mongol, Xinjiang sowie westlichen Tibet vor.cite-ref-foc-3-4[3] In Nordamerika kommt Cardamine pratensis in Höhenlagen zwischen 0 und 1000 Metern in den kanadischen Provinzen British Columbia, New Brunswick, Nova Scotia, Ontario, QuĂ©bec sowie in Neufundland und in den US-Bundesstaaten Connecticut, Indiana, Maine, Massachusetts, Michigan, New Hampshire, New Jersey, New York, Ohio, Pennsylvania, Vermont vor, dabei sind die meisten Populationen Neophyten aus Europa, aber es scheint auch Populationen zu geben, die ursprĂŒnglich in Nordamerika heimisch sind.cite-ref-fna-4-7[4]
Das Wiesen-Schaumkraut ist dabei in diversen Biotoptypen zu finden. Es zÀhlt zu den in Mitteleuropa hÀufigen Pflanzenarten.
Als Standort werden frische bis feuchte Fett- und Feuchtwiesen sowie Bruch- und AuenwĂ€lder der collinen bis montanen Höhenstufe bis in Höhenlagen von etwa 1700 Meter bevorzugt. Durch eine Bewirtschaftung feuchter Wiesen wird die Ausbreitung dieser Art stark gefördert. Auch in nĂ€hrstoffreichen Stauden- und ausdauernden Unkrautfluren, an nĂ€hrstoffreichen GewĂ€ssern, an Quellen und QuelllĂ€ufen sowie in Hochstaudenfluren und GebĂŒschen der Gebirge ist das Wiesen-Schaumkraut anzutreffen. Es gedeiht in Mitteleuropa in Gesellschaften der Klasse Molinio-Arrhenatheretea, kommt aber auch in Gesellschaften der VerbĂ€nde Aegopodion oder Alno-Ulmion vor.cite-ref-oberdorfer2001-7-0[7]
Die ökologischen Zeigerwerte nach Landolt et al. 2010 sind in der Schweiz: Feuchtezahl F = 3+w (feucht aber mĂ€Ăig wechselnd), Lichtzahl L = 3 (halbschattig), Reaktionszahl R = 3 (schwach sauer bis neutral), Temperaturzahl T = 3+ (unter-montan und ober-kollin), NĂ€hrstoffzahl N = 4 (nĂ€hrstoffreich), KontinentalitĂ€tszahl K = 2 (subozeanisch).cite-ref-infoflora-8-0[8]
Systematik
Die Erstveröffentlichung von Cardamine pratensis erfolgte 1753 durch Carl von Linné in Species Plantarum, 2, S. 656.cite-ref-biodiversitylibrary-9-0[9]cite-ref-tropicos-10-0[10]
Die botanische Artname Cardamine pratensis setzt sich zusammen aus der Gattungsbezeichnung Cardamine, die sich vom griechischen Wort ÎșαÏÎŽÎ±ÎŒÎŻÎœÎ· kardamĂne fĂŒr Kresse ableitet und dem Artepitheton pratensis, das aus dem Lateinischen kommt und mit âauf Wiesen wachsendâ ĂŒbersetzt werden kann.
Es wurden viele Unterarten und VarietĂ€ten beschrieben, die alle heute Synonyme dieser oder anderer Arten sind. Synonyme fĂŒr Cardamine pratensis L. sind: Cardamine nemorosa Lej., Cardamine praticola Jord., Cardamine rivularis Äopyk, Cardamine udicola Jord., Cardamine ullepiciana BorbĂĄs, Cardamine pratensis L. subsp. pratensis, Cardamine pratensis subsp. atlantica (Emb. & Maire) Greuter & Burdet, Cardamine pratensis subsp. genuina Äelak. des. inval., Cardamine pratensis subsp. major TomĆĄovic, Cardamine pratensis subsp. picra De Langhe & D'hose, Cardamine pratensis subsp. ullepiciana (BorbĂĄs) Jay, Cardamine pratensis var. atlantica Emb. & Maire, Cardamine pratensis var. carpatica ZapalĆ., Cardamine pratensis var. dentata Schur, Cardamine pratensis var. flore-pleno Neilr., Cardamine pratensis var. grandiflora Endl., Cardamine pratensis var. grandiflora Neilr., Cardamine pratensis var. grandiflora Schur, Cardamine pratensis var. macrantha Schur, Cardamine pratensis var. parvifolia Wimm. & Grab., Cardamine pratensis var. pleniflora Schur, Cardamine pratensis var. pseudohirsuta Schur, Cardamine pratensis var. pubescens Wimm. & Grab., Cardamine pratensis var. subrivularis Schur, Cardamine pratensis var. typica Beck des. inval.cite-ref-euro-med-11-0[11]
Trivialnamen
Die im deutschsprachigen Raum ĂŒblichen Trivialnamen Wiesen-Schaumkraut oder einfach Schaumkraut beziehen sich möglicherweise auf das Vorkommen von Schaumnestern der Schaumzikaden (Aphrophoridae) an dieser Pflanze. Diese sind im FrĂŒhjahr so hĂ€ufig, dass die im Volksmund auch als âKuckucksspeichelâ oder âHexenspuckeâ bezeichneten Nester der Pflanze den volkstĂŒmlichen Namen âKuckucksblumeâ gegeben haben.
Die Bezeichnung Schaumkraut lĂ€sst aber auch eine andere Deutung zu, da eine mit Wiesenschaumkraut bestandene Wiese durchaus den Eindruck erwecken kann, als sei sie mit Schaum ĂŒberzogen: âBetrachtet man eine solche Ebene in der Mitte des Mais zu einer Tageszeit, wo durch die durchwĂ€rmenden Sonnenstrahlen jene bekannten wellenförmige Bewegung der Luft entsteht, so erscheint die ganze FlĂ€che wie von einem ĂŒppigen Schaum bedeckt, was wohl die Entstehung des Namens Schaumkraut veranlaĂt haben mag.âcite-ref-12[12]
Als weit verbreitete und auffĂ€llige Wiesenblume besitzt das Wiesen-Schaumkraut eine Reihe weiterer regional sehr unterschiedlicher volkstĂŒmlicher Namen. Dazu gehören Bettbrunzer, (Schweiz: Bettseicherli), blaues Brunnenkressich, Gauchblume, Harnsamen, Maiblume, Marienblume, Pinksterbloem, PrĂ€riekraut, StorchenschnĂ€bli, Strohblume, Wasserkraut und Wilde Kresse. Weitere Namen sind Bachkresse, sĂŒĂe Brunnenkresse (Ăsterreich), Chessali (St. Gallen bei Werdenberg und Sargans), Feldkresse, Fleischblume (Schweiz), Geldseckalischelm (St. Gallen im Rheintal), Geltenblume (Schweiz), Hanotterblom (Altmark), Heinotterblom (Altmark), HennaĂ€ugli (St. Gallen im Rheintal), Kiewitsblome (Oldenburg, Ostfriesland, Wilstermarsch), braune Kresse, wilder Kress (KĂ€rnten bei Glödnitz), Kukuksblome (Unterweser), Maiblome (Oldenburg), Mattenkressich (Schweiz), MilchblĂŒmle (Memmingen), Pfingstblumen (Oldenburg), Pingsterblömen (Ostfriesland), Schisgelte (Schweiz), Spreenblome (Wildeshausen), Störkeblöme (Ostfriesland), Wiesenkresse (Schlesien) und Ziegerle (Schweiz).cite-ref-pritzel1882-13-0[13]
Gebrauch
Nahrungsmittel
Die jungen BlĂ€tter, die vor der BlĂŒte gesammelt werden, sowie die jungen Pflanzen sind essbar und schmecken auf Grund des enthaltenen Senfölglykosids kresseĂ€hnlich und leicht scharf. Sie werden in Salaten, in KrĂ€utersuppen, als GewĂŒrz fĂŒr Quark und FrischkĂ€se sowie in Saucen verwendet.
Medizinische Anwendung
Wiesen-Schaumkraut enthĂ€lt als Inhaltsstoffe Senfölglykoside, Bitterstoffe und Vitamin C. Das Ăl des Wiesen-Schaumkrautes dient daher in der Dermatologie als Pflegecreme bei strapazierten und trockenen HĂ€nden.
In der Volksmedizin wird Wiesenschaumkraut-Tee gegen Rheuma und andere SchmerzzustĂ€nde angewendet. Heilwirkungen beruhen vor allem auf dem enthaltenen Vitamin C sowie den Senfölglykosiden, die insbesondere auf Niere und Leber anregend wirken. Dieser Wirkung verdankt das Wiesen-Schaumkraut auch die volkstĂŒmlichen Bezeichnungen Bettsoicher, Harnsamen und GriesblĂŒmel. Weil die im Wiesen-Schaumkraut enthaltenen Wirkstoffe jedoch Magen und Nieren auch reizend beeinflussen können, sollte eine Anwendung nur in MaĂen erfolgen.
Madaus zufolge finden sich trotz offensichtlicher Verbreitung der Pflanze kaum Ă€ltere medizinische ErwĂ€hnungen. Sie war im 16. Jahrhundert in Apotheken nicht gebrĂ€uchlich. Lediglich Dodonaeus kannte ihre Nasturtium aquaticum Ă€hnliche Wirkung. Greding machte sie 1774 bekannter. Buchheims Lehrbuch der Arzneimittellehre von 1853/56 und Dragendorffs Die Heilpflanzen der verschiedenen Völker und Zeiten von 1898 nennen die WirkĂ€hnlichkeit zu Brunnenkresse bzw. auch Meerrettich und Bitteres Schaumkraut bei KrĂ€mpfen der Kinder. Bohns Die Heilwerte heimischer Pflanzen nennt Chorea, hysterische KrĂ€mpfe und rheumatische Schmerzen, Dinands Handbuch der Heilpflanzenkunde von 1924 auĂerdem Unterleibsstockungen, Hautkrankheiten und Skorbut. Laut Schulz soll es bei Scharlachfieber benutzt worden sein. Eine blutzuckersenkende Wirkung bei Diabetes mellitus bestĂ€tigte sich nicht.cite-ref-14[14]
Verwendung als Zierpflanze
Seit dem 17. Jahrhundert wird das Wiesen-Schaumkraut als Zierpflanze kultiviert, wobei auch eine Form mit gefĂŒllten BlĂŒten angeboten wird. Das Wiesen-Schaumkraut ist fĂŒr WildpflanzengĂ€rten empfehlenswert.
Blume des Jahres 2006 und GefÀhrdung
Das Wiesen-Schaumkraut wurde zur Blume des Jahres 2006 gewĂ€hlt.cite-ref-stiftungnaturschutz-15-0[15] Die Stiftung Naturschutz Hamburg und Stiftung zum Schutze gefĂ€hrdeter Pflanzen begrĂŒndete ihre Entscheidung fĂŒr diese vielerorts noch hĂ€ufig vorkommende Art damit, dass mit der Wahl einer solchen Feuchtwiesenart auf die zunehmende GefĂ€hrdung dieses Biotoptyps aufmerksam gemacht werden soll. Von dem RĂŒckgang solcher Gebiete sind immer mehr GrĂŒnlandarten in ihrer Verbreitung betroffen. So sind in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern die BestĂ€nde des Wiesen-Schaumkrauts bereits so weit zurĂŒckgegangen, dass diese Art dort als gefĂ€hrdet eingestuft wird und den Rote-Liste-Status 3 erhielt.cite-ref-nabu-6-1[6]
Philatelistisches
Mit dem Erstausgabetag 18. Dezember 2018 gab die Deutsche Post AG in der Serie Blumen ein Postwertzeichen im Nennwert von 15 Eurocent heraus. Der Entwurf stammt von den Grafikern Stefan Klein und Olaf Neumann aus Iserlohn.
Quellen
Literatur
⹠Ihsan A. Al-Shehbaz, Karol Marhold, Judita Lihovå: Cardamine. In: Flora of North America Editorial Committee (Hrsg.): Flora of North America North of Mexico. Volume 7: Magnoliophyta: Salicaceae to Brassicaceae. Oxford University Press, New York / Oxford u. a. 2010, ISBN 978-0-19-531822-7, S. 482 (englisch, eingeschrÀnkte Vorschau in der Google-Buchsuche). Cardamine pratensis textgleich online bei efloras.org (Abschnitte Beschreibung, Verbreitung und Systematik).
âą Tai-yien Cheo, Lianli Lu, Guang Yang, Ihsan Al-Shehbaz, Vladimir Dorofeev: Brassicaceae. In Wu Zheng-yi, Peter H. Raven (Hrsg.): Flora of China. Volume 8: Brassicaceae through Saxifragaceae. Science Press / Missouri Botanical Garden Press, Beijing / St. Louis 2001, ISBN 0-915279-93-2, S. 92 (englisch). Cardamine pratensis textgleich online bei efloras.org (Abschnitte Beschreibung, Verbreitung und Systematik).
âą Gertrud Scherf: Wiesenblumen: der etwas andere NaturfĂŒhrer. BLV, MĂŒnchen 2004, ISBN 3-405-16909-7.
âą Ruprecht DĂŒll, Herfried Kutzelnigg: Taschenlexikon der Pflanzen Deutschlands und angrenzender LĂ€nder. Die hĂ€ufigsten mitteleuropĂ€ischen Arten im Portrait. 7., korrigierte und erweiterte Auflage. Quelle & Meyer, Wiebelsheim 2011, ISBN 978-3-494-01424-1.
Einzelnachweise
cite-note-floraweb-11. â Cardamine pratensis L. s. str., Wiesen-Schaumkraut. auf FloraWeb.de
cite-note-schmeil-fitschen93-22. â Siegmund Seybold: Flora von Deutschland und angrenzender LĂ€nder. Ein Buch zum Bestimmen der wild wachsenden und hĂ€ufig kultivierten GefĂ€Ăpflanzen. BegrĂŒndet von Otto Schmeil, Jost Fitschen. 93., vollstĂ€ndig ĂŒberarbeitete und erweiterte Auflage. Quelle & Meyer, Wiebelsheim 2006, ISBN 3-494-01413-2.
cite-note-foc-33. â Tai-yien Cheo, Lianli Lu, Guang Yang, Ihsan Al-Shehbaz, Vladimir Dorofeev: Brassicaceae. In Wu Zheng-yi, Peter H. Raven (Hrsg.): Flora of China. Volume 8: Brassicaceae through Saxifragaceae. Science Press / Missouri Botanical Garden Press, Beijing / St. Louis 2001, ISBN 0-915279-93-2, S. 92 (englisch). Cardamine pratensis textgleich online bei efloras.org
cite-note-fna-44. â Ihsan A. Al-Shehbaz, Karol Marhold, Judita LihovĂĄ: Cardamine. In: Flora of North America Editorial Committee (Hrsg.): Flora of North America North of Mexico. Volume 7: Magnoliophyta: Salicaceae to Brassicaceae. Oxford University Press, New York / Oxford u. a. 2010, ISBN 978-0-19-531822-7, S. 482 (englisch, eingeschrĂ€nkte Vorschau in der Google-Buchsuche). Cardamine pratensis textgleich online bei efloras.org.
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Weblinks
Wiktionary: Wiesenschaumkraut
â BedeutungserklĂ€rungen, Wortherkunft, Synonyme, Ăbersetzungen
Commons
: Wiesen-Schaumkraut (
Cardamine pratensis
)
â Album mit Bildern, Videos und Audiodateien
âą Infoseite zum Wiesen-Schaumkraut bei Ex :: Natura.
âą Detailbilder bei plant-identification.co.uk.
âą Literatur zu Cardamine pratensis in den Kew Bibliographic Databases.
âą Cardamine pratensis agg., Wiesen-Schaumkraut (Artengruppe). auf FloraWeb.de
âą Verbreitungskarte fĂŒr Deutschland. In: Floraweb.
âą Cardamine pratensis L. (s. l.), Wiesen-Schaumkraut. auf FloraWeb.de
⹠Wiesen-Schaumkraut. In: BiolFlor, der Datenbank biologisch-ökologischer Merkmale der Flora von Deutschland.
âą Thomas Meyer: Datenblatt mit BestimmungsschlĂŒssel und Fotos bei Flora-de: Flora von Deutschland (alter Name der Webseite: Blumen in Schwaben)
âą Datenblatt mit Fotos.